Als ich in der Pharmabranche gearbeitet habe, dachte ich, ich hätte weibliche Sexualhormone verstanden.

Molekülstrukturen, Wirkmechanismen, Studienlage – all das konnte ich runterbeten. Und trotzdem hat es gedauert, bis ich wirklich begriffen habe, was in meinem eigenen Körper passiert, als sich meine Zyklen zu verändern begonnen haben. Theorie und die eigene Erfahrung sind eben zwei verschiedene Pferde (: –). Klick hier falls du mehr über mich lesen möchtest.

Ich erkläre es dir gern so, wie ich es mir selbst zurechtgelegt habe: wie eine kleine Wanderreitgruppe, die zusammen unterwegs ist. Jede Reiterin hat ihre Rolle. Eine gibt das Tempo vor, eine sorgt für Ruhe in der Gruppe, zwei andere planen im Hintergrund die Route. Kommt eine aus dem Rhythmus, merkt das die ganze Gruppe – auch wenn von außen erstmal nicht klar ist, woran es liegt. 

Genau so verhält es sich mit den vier zentralen weiblichen Sexualhormonen: Östrogen, Progesteron, FSH und LH. Sie arbeiten nicht einzeln. Keines der vier arbeitet für sich – sie sind aufeinander angewiesen. Und wenn eine von ihnen ihr Tempo ändert – was in der Perimenopause ganz natürlich beginnt – spürst du das oft, bevor du erklären kannst, warum. 

Was sind weibliche Sexualhormone eigentlich – und warum reden wir dauernd darüber? 

Hormone sind Botenstoffe. Sie werden an der einen Stelle im Körper produziert und wirken an einer ganz anderen. Kein Hormon fragt dich vorher um Erlaubnis – es liefert einfach, ob dir das gerade passt oder nicht. Das ist auch der Grund, warum sich hormonelle Veränderungen so unmittelbar anfühlen können: Sie betreffen nicht „nur“ die Fortpflanzung, sondern Schlaf, Stimmung, Haut, Stressresistenz und noch vieles andere mehr. 

Schauen wir uns die vier wichtigsten weiblichen Sexualhormone einmal einzeln an – bevor wir uns anschauen, warum ihr Zusammenspiel so entscheidend ist. 

Östrogen – die Reiterin, die das Tempo vorgibt 

Östrogen entsteht hauptsächlich in den Eierstöcken, ein kleinerer Teil auch in den Nebennieren und im Fettgewebe. Und es ist wortwörtlich überall unterwegs: Dein Körper hat mehrere hundert Östrogenrezeptoren – im Gehirn, in den Muskeln, im Darm, in der Haut, in der Gebärmutter, in den Augen, im Herzen, in der Lunge. Kein Wunder also, dass wir Schwankungen dieses Hormons an ziemlich vielen Stellen im Körper spüren, nicht nur „dort unten“. 

Östrogen ist im Grunde die Wachstums-Antreiberin: Es baut die Gebärmutterschleimhaut auf, fördert die Durchblutung, hält die Haut feucht und elastisch. Sinkt der Östrogenspiegel – wie es in Richtung Wechseljahre passiert – zeigt sich das oft zuerst in trockener Haut, trockenen Augen oder vaginaler Trockenheit. Zu viel Östrogen im Verhältnis zu den anderen Hormonen, sehr oft von Social Media Influencern manchmal als Östrogendominanz beschrieben, kann sich wiederum durch Spannungsgefühle in der Brust, Kopfschmerzen oder stärkere Blutungen bemerkbar machen. Wie genau sich das bei dir zeigt, ist immer sehr individuell – dazu schreibe ich dir bei Gelegenheit noch einen eigenen Artikel, denn das Thema verdient mehr als einen Absatz. 

Progesteron – die Ruhige, die als Erste aus dem Tritt kommt 

Progesteron wird ebenfalls in den Eierstöcken produziert – allerdings nur, solange noch ein Eisprung stattfindet. Nach der Menopause übernehmen die Nebennieren einen kleinen Teil dieser Aufgabe, wenn auch in deutlich geringerer Menge. 

Wenn Östrogen die Antreiberin ist, dann ist Progesteron die Reiterin, die auf die Bremse tritt, wenn es nötig ist. Es wirkt beruhigend auf das Nervensystem, baut nach dem Eisprung die Gebärmutterschleimhaut auf einer Schwangerschaft entsprechend um – und gibt, wenn keine Befruchtung stattfindet, das Signal für die Periode. 

Und hier wird es für unser Thema besonders interessant: Progesteron ist meist das erste Hormon, das in der frühen Perimenopause spürbar absinkt – während der Östrogenspiegel oft noch relativ stabil bleibt. Genau das ist einer der Gründe, warum sich die Wechseljahre so viel früher ankündigen können, als die meisten Frauen erwarten. Meistens beginnt es nicht mit Hitzewallungen, sondern mit schlechterem Schlaf, dünneren Nerven und diesem schwer greifbaren Gefühl, dass etwas nicht stimmt. 

FSH und LH – die zwei im Hintergrund, die die Route planen 

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH) werden nicht in den Eierstöcken, sondern im Gehirn produziert, genauer: in der Hypophyse. Von dort aus wirken sie auf die Eierstöcke. 

FSH regt in der ersten Zyklushälfte das Wachstum der Follikel an – kleine „Lagerplätze“, in denen die Eizellen heranreifen. Diese reifenden Follikel produzieren dabei selbst Östrogen, weshalb der Östrogenspiegel in dieser Phase ansteigt. LH wiederum löst in der Zyklusmitte den Eisprung aus und unterstützt anschließend die Bildung des Gelbkörpers. 

Man kann sich FSH und LH also als die beiden Reiterinnen vorstellen, die vorausreiten, die Strecke abklopfen und dafür sorgen, dass die Gruppe zur richtigen Zeit am richtigen Punkt ankommt – ohne dass man von außen viel davon mitbekommt. Erst wenn sich ihr Timing verändert, merkt man: Da stimmt etwas mit der Route nicht mehr ganz. 

Übrigens, kleiner Fun Fact am Rande: Auch Frauen haben Testosteron. Nur eben in einer ganz anderen Menge als Männer – und trotzdem nicht bedeutungslos. 

Warum ein einzelner Hormonwert wenig aussagt 

Im Idealfall ist diese kleine Reitgruppe, unsere weiblichen Sexualhormone – Östrogen, Progesteron, FSH und LH – gut aufeinander abgestimmt. Jede übernimmt ihren Part, im richtigen Moment, im richtigen Verhältnis zueinander. Verändert sich das Verhältnis – was in der Perimenopause ganz natürlich beginnt, oft Jahre bevor die Periode ausbleibt – reicht es nicht, nur ein einzelnes Hormon isoliert zu betrachten. Genau deshalb sind Standard-Blutbefunde hier auch nur bedingt aussagekräftig: Sie zeigen oft eine Momentaufnahme, aber nicht, wie stabil das Fundament darunter eigentlich ist. 

Und an der Stelle kommen wir – wieder einmal – zu dem Punkt, der mir persönlich am wichtigsten ist: Bevor wir über Hormone sprechen, lohnt sich der Blick auf die zelluläre Ebene. Denn ein Körper, dessen Zellen gut versorgt sind, kann mit hormonellen Schwankungen anders umgehen als ein Körper, dem genau dieses Fundament fehlt. Das liegt meistens nicht daran, dass du etwas falsch gemacht hast, sondern schlicht daran, dass es nie gemessen wurde. 

Fazit 

Weibliche Sexualhormone liefern – ob wir sie bestellt haben oder nicht. Wichtiger als jeder einzelne Wert im Blutbild ist es, ein Gespür für das Zusammenspiel dieser vier Hormone zu entwickeln – und dafür, wann sich ihr Tempo verändert.